Große Exportumfrage von Allianz Trade sieht hohe Transport- und Energiekosten

 als Hauptrisiken für deutsche Unternehmen - Sorge vor Zahlungsausfällen steigt rasant

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  • Deutsche Exportunternehmen optimistisch bei Umsatz-Erwartungen: 84 % gehen von weite-rem Umsatzplus aus (vor Ukraine-Konflikt: 93 %)
  • Steigende Transport- und Energiekosten sind Top-Exportrisiken 2022 (vor Ukraine-Konflikt: pandemiebedingte Unsicherheiten)
  • Sprunghafter Anstieg durch Ukraine-Konflikt: Doppelt so viele deutsche Exportunternehmen sorgen sich um steigende Zahlungsausfälle (58 %) und um Störungen der Lieferkette (47 %)
  • Unterschiedliche Export-Strategien: Großteil setzt auf Internationalisierung, aber auch Ham-stern, neue Lieferanten und Fokus auf den Heimatmarkt

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Harmburg (ots|wro) - Die Herausforderungen im Welthandel bleiben auch 2022 vielfältig. Der weltweit führende Kreditversicherer Allianz Trade hat in zwei Befragungswellen deshalb insgesamt mehr als 2.500 Unternehmen in sechs Ländern[1] befragt, wie sie die Export-Aussichten für 2022 einschätzen.

Vor dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts[2] nannten die meisten der befragten Unternehmen bereits die steigenden Energiepreise (34 %) als insgesamt größ-tes Exportrisiko, gefolgt von hohen Transportkosten und geopolitischen Spannungen (je 29 %). An den Top-Risiken selbst hat sich seither wenig geändert - inzwischen bewerten allerdings wesentlich mehr Unternehmen diese als problematisch: 53 % sehen steigende Transportkosten als größte Herausforde-rungen, gefolgt von steigenden Energiepreisen (52 %) und geopolitischen Spannungen (44 %). Besonders stark gestiegen ist mit dem Konflikt zudem die Sor-ge vor Störungen der Lieferketten und vor Zahlungsausfällen.

2022: Welthandel als Achterbahnfahrt - Ex-porteure dennoch weiter optimistisch beim Umsatz

"Fest steht: 2022 wird für den Welthandel eher eine Achterbahnfahrt und kein erneuter Höhenflug wie 2021", sagt Ana Boata, Leiterin Economic Research bei Allianz Trade.

2021 gab es bereits zahlreiche Herausforderungen beim internationalen Handel - allerdings verbunden mit einem pandemiebedingten Nachhol-Boom. Ent-sprechend übertraf bei drei Vierteln der Exporteure in Deutschland (76 %) das Geschäft die ursprünglichen Erwartungen.

"Für 2022 waren Exporteure hierzulande zunächst weiterhin sehr optimistisch - rund 93 % von ihnen erwarteten zu Jahresbeginn ein Umsatzwachstum bei den eigenen Exporten", sagt Milo Bogaerts, CEO Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Dieser Optimismus ist zwar weiterhin vor-handen, durch den Ukraine-Konflikt gehen allerdings nur noch 84% der deutschen Unternehmen von einem Umsatzplus aus, 16 % erwarten inzwischen jedoch sinkende Umsätze."

Doppelschlag für Welthandel: Ukraine-Konflikt und Pandemieausbrüche in China

Die bestehenden Probleme haben sich 2022 durch den Konflikt mit der Ukraine verschärft: Der Welt-handel büßt deutlich an Dynamik ein. So hat Allianz Trade ihre ursprüngliche Prognose für 2022 um 2 Prozentpunkte (pp) gesenkt und geht beim Volumen von einem Wachstum von +4 % aus, das damit unter dem Langzeitdurchschnitt liegt. Beim Wert der ge-handelten Waren erwartet der Kreditversicherer inflationsbedingt inzwischen ein Plus von fast 11 % (vor dem Konflikt: +7,2 %).

"Die russische Invasion in der Ukraine und der erneu-te Ausbruch von Covid-19 in China treffen den Welthandel doppelt hart mit geringeren Mengen und höheren Preisen", sagt Boata. "Lieferketten sind wei-terhin gefährdet, durch konfliktbedingte Umwege und Hafenschließungen gibt es lange Transportzeiten. Somit bleiben dem Welthandel Verspätungen und hohe Frachtraten länger erhalten als ursprünglich erwartet - auch aufgrund der hohen Energiepreise."

2021: Pandemiebedingte Unsicherheiten größtes Exportrisiko

Das größte Exportrisiko im Jahr 2021 waren die pandemiebedingten Unsicherheiten. Ein Drittel der befragten deutschen Unternehmen (33 %) gab an, dass die Pandemie erheblichen Einfluss auf ihre Exportaktivitäten hatte - das ist allerdings deutlich weniger als im internationalen Durchschnitt (40 %). Die weiteren Top-Risiken für deutsche Exporteure waren im vergangenen Jahr die gestiegenen Trans-portkosten (31 %), hohe Energiepreise (29 %), Lie-ferengpässe sowie gestiegene Input-Kosten (27 %) sowie die verlängerten Transportzeiten (25 %).

2022: Mehr als jedes zweite Unternehmen fürchtet höhere Energie- und Transportkosten

Exporteure sind mit Blick auf 2022 grundsätzlich optimistisch bei den Umsatzerwartungen, sehen ak-tuell aber auch sehr stark Risiken, die ihr Geschäft beeinträchtigen könnten.

"Die stark gestiegenen Transportkosten bereiten deutschen Exportunternehmen inzwischen die größ-ten Sorgen", sagt Milo Bogaerts. "Die meisten deut-schen Unternehmen gehen davon aus, dass sich we-der bei Transportkosten noch -zeiten 2022 Entspan- nung abzeichnen wird: Mehr als die Hälfte der Firmen

 (53 %) geht mit Ausbruch des Ukraine-Konflikts so-gar davon aus, dass sich die Situation weiter verschärft."

Vor dem Konflikt war dies nur bei etwa jedem dritten Unternehmen der Fall. Die hohen Energiepreise sehen zudem etwa 80 % der befragten Unternehmen als Herausforderung für ihre Exporttätigkeit. Mehr als
die Hälfte (52 %) erwartet noch weiter steigende Energiekosten.

Verdoppelte Sorge vor erneuten
Störungen der Lieferketten

Beinahe jedes zweite Unternehmen (47 %) fürchtet inzwischen zunehmende Störungen von Lieferketten und höhere Preise bei den Vorprodukten - das sind fast doppelt so viele Unternehmen wie vor Ausbruch des Konflikts (25 %).

Risiko verdoppelt: 58 % der Unternehmen rechnen mit mehr Zahlungsausfällen

Vor der Ukraine-Krise bewerteten rund 62 % der be-fragten Unternehmen Zahlungsausfälle insgesamt als Herausforderung, jetzt sind dies 93 %. Vorher sahen 30 % darin ein wachsendes Risiko. Inzwischen hat sich dies nahezu verdoppelt:

"Besonders stark angestiegen ist bei den deutschen Exportunternehmen auch die Sorge vor steigenden Zahlungsausfällen", sagt Bogaerts. "Sechs von zehn Unternehmen (58 %) erwarten für das laufende Jahr, dass mehr Zahlungen ausfallen. Damit sind die Er-wartungen deutscher Unternehmen diesbezüglich deutlich pessimistischer als die ihrer europäischen Pendants."

Zum Vergleich: In Italien rechnen 43 % der Exportun-ternehmen mit mehr Zahlungsausfällen als im Vorjahr, in Frankreich 49 % und in Großbritannien 53 %. Be-reits 2021 verzeichneten 87 % der befragten deut-schen Unternehmen Beeinträchtigungen ihrer Exporte durch Zahlungsausfälle, mehr als die Hälfte davon moderat oder erheblich.

Schlechtere Zahlungsmoral:
Trotz Digitalisierung werden Rechnungen immer später bezahlt

Auch die Zahlungsmoral hat sich bei den Abnehmern der befragten Unternehmen verschlechtert. Jeder zweite Exporteur in Europa und 46 % der deutschen Unternehmen berichten, dass Rechnungen 2021 im-mer später bezahlt wurden - obwohl Unternehmen vielerorts Bargeld horten und die große Mehrheit der befragten Firmen in digitale Prozesse investiert hat, die die Zahlungsfristen verkürzen sollten. Für 2022 erwarten inzwischen 66 % der deutschen Unterneh-men eine sich weiter verschlechternde Zahlungsmoral.

Dies bestätigt die Prognose von Allianz Trade, dass sich auch das Insolvenzgeschehen in Europa sukzes-sive normalisieren dürfte. Dieser Prozess hatte sich schon vor Ausbruch des Konflikts abgezeichnet. Der Kreditversicherer geht in den größten europäischen Volkswirtschaften insgesamt von einem Zuwachs der Pleiten um +10 % aus (Deutschland: +4 %), wenn-gleich weiterhin auf moderatem und in Deutschland niedrigen Niveau.

Export-Strategien:
DNA der deutschen Exporteure
ist die Erschließung neuer Märkte

"Die deutschen Exporteure lassen sich von diesen Entwicklungen allerdings nicht abschrecken", sagt Bogaerts: "Es liegt in ihrer DNA, neue Exportmärkte zu erschließen. Fast drei Viertel (73 %) der befragten Unternehmen planen diesen Schritt für 2022. Das Gute liegt dabei vielerorts recht nah: Favorit der deutschen Unternehmen sind dabei die französischen Nachbarn. In der Ferne sind die USA und Japan die begehrtesten neuen Exportziele."

Durch den Ukraine-Konflikt gewinnt die zunehmende Diversifizierung bei den Exportunternehmen an Be-deutung: 87 % der deutschen Exporteure wollen In-vestitionen für eine stärkere Internationalisierung ausweiten - die Hälfte der befragten Unternehmen (50 %) hat durch den Konflikt diese Investitionspläne sogar noch weiter aufgestockt. Damit liegen die deutschen Exporteure deutlich über dem europäi-schen Durchschnitt.

Die Export-Strategien der deutschen Unternehmen sind jedoch vielfältig: Während der Großteil auf in-ternationale Diversifizierung setzt, ist bei einigen Unternehmen angesichts der steigenden Risiken für Lieferketten auch weiterhin "Hamstern" angesagt. Andere wiederum suchen neue Lieferanten oder wollen verstärkt auf Geschäfte innerhalb Deutschlands setzen.